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Additiv / Subtraktiv?

Additive "Farb"- Mischung - subtraktive unmöglich

Wenn wir "Farbe" immer als Farbempfindung auffassen würden, könnten wir auch behaupten, Farbe ist immer additiv zusammengesetzt. Aber leider benutzt man im Deutschen den Begriff "Farbe" sehr unsauber und versteht darunter auch farbige Substanzen wie Lack-, Dispersions-, Druckfarben oder Farbstoffe z.B. zum Färben von Textilien und Pigmente, das sind im Anwendungsmedium unlösliche "Farbstoffe".

Die färbenden Substanzen Farbstoffe und Pigmente nennt man allgemein "Farbmittel".

Farbe ist streng genommen, nur die Farbempfindung
, in dem Sinne, wie wir von einer "schönen Farbe" reden. Und so wollen wir es in den folgenden Ausführungen halten!

Kein Amerikaner kann im Laden einen Eimer "color" kaufen, allenfalls "paint".
"Farbe", die wir im Eimer kaufen können, ist vielleicht eine "Wandfarbe" ein Lack oder sonst etwas, womit wir unsere Umgebung farbiger machen. Solche farbigen Erzeugnisse sind farbig, weil sie Farbmittel enthalten. Weil, aber im Deutschen der Begriff "Farbe" verhunzt ist, wird oft sogar in den Fachbetrieben, die fälschlicherweise "Farbenfabriken" genannt werden, weil man nämlich "Farben" gar nicht herstellen kann, dann, wenn es wirklich um die farbige Erscheinung eines Produktes geht, aus dem Zwang heraus, unterscheiden zu müssen, von einem
"Farbton" gesprochen, obwohl gar nicht der Buntton gemeint ist, sondern wirklich die "Farbe", die Summe aller Farb-Eigenschaften, die den Farbeindruck bestimmen, nämlich - und nun korrekt nach DIN:

Farbe = Farbempfindung   
mit den Merkmalen
• Helligkeit
• Buntton (Farbton)
• Buntheit (Sättigung)

Die physikalische Ursache für das farbige Aussehen eines Objektes sind (selektive) Lichtabsorption und Lichtstreuung im Innern des Objekts, wofür die darin enthaltenen Farbmittel verantwortlich sind.
Wirklich verstehen lässt sich die Welt der Farben nur, wenn wir der Farbe physikalisch auf den Grund gehen.
Johann Wolfgang von Goethe, der große Farbforscher, wusste das noch nicht und doch konnte er den bedeutenden Satz aussprechen:

"Farben sind Taten des Lichts. Taten und Leiden!"
Nur weil Anteile des Lichts im Inneren eines Objektes Absorption erlitten haben (= geschluckt wurden) kann der Rest Taten verrichten, nämlich im Beobachter eine Farbempfindung auslösen!
Aber insgesamt musste für Goethe, das, was uns nun mit unseren modernen Instrumenten so leicht "erforschbar" und erklärbar ist, unglaublich verwirrend sein.

Wie kann man Farben, d.h. "Empfindungen" messen?
Überhaupt nicht!
(Zumindest nicht "objektiv")
Man misst lediglich die physikalische Ursache einer Farbe.
Lichtabsorption und Streuung lassen nur Anteile des Lichts, das in den Körper gelangt ist, wieder nach außen treten. Das, was vom Objekt zurückgeworfen wird, die (spektrale) Remission eines Objektes, produziert den Farbreiz. Die spektrale Remission (siehe unten Bild 1) wird gemessen und dann rechnet man theoretisch aus, wie sich der gemessene Reiz (wobei noch die Lichtart zu berücksichtigen ist) bei einem Beobachter auswirkt!
Wahrscheinlich sind Sie zu dieser Seite deswegen gelangt, weil Sie zwar mit Farben zu tun haben (wer hat das nicht!) aber noch nie mit Farbmessung und Farbmessgeräten, kurz mit Farbmetrik zu tun hatten.
Für die Farbmetriker - solche gibt es heutzutage in jedem Betrieb, wo "Farbmittel" hergestellt oder verarbeitet werden - sind die folgenden Erläuterungen "kalter Kaffee". Falls sich einer hierher verirrt haben sollte, wird er vor dem Weiterlesen gewarnt!

Der kleine Ausflug in die Farbmetrik wird die Dinge jedoch nicht schwieriger machen, sondern wird alles verstehen helfen !

Mit Farbmessgeräten, sogenannten Spektralphotometern misst man also die von einem farbigen Objekt zurückgeworfenen, remittierten Lichtwellen: Hierzu zerlegt man einen weißen Lichtstrahl mittels Prisma oder Beugungsgitter in seine Komponenten und stellt fest, wie viel eine farbige Probe davon im Vergleich zu einer reinweißen Substanz zurück in eine Photozelle wirft!. Das weiße Licht enthält Lichtwellen im Wellenlängenbereich zwischen ca. 400 und 700 nm. (Ein Nanometer = 10-9 m = 1 Milliardstel Meter oder 1 Millionstel mm.)
Für diese elektromagnetischen Wellen haben wir den wunderbaren Empfänger, unser Auge und die zuständigen Gehirnregionen, welche als Ensemble den Wahrnehmungsapparat bilden.
Schon Sir I. Newton (der Entdecker der Licht-"Komposition") wies darauf hin, dass die einzelnen Lichtwellen nicht farbig sind, sondern "dass ihnen nur eine gewisse Kraft innewohnt, diese oder jene Farbempfindung in uns wachzurufen". Lichtwellen von 400 nm erzeugen in unserem Wahrnehmungsapparat < Auge + Gehirn > den Eindruck "violett" usw. wie das folgende Bild zeigt.

Teilbereiche des Spektrums

werden farbig wahrgenommen. Alle zusammen erzeugen die Empfindung Weiß. (Leider sind auf dem Bildschirm blaugrüne Farben nicht gut darstellbar)

Das "Auge" empfindet additiv obigen "Wellensalat" als Weiß. (Man denke an das "weiße Rauschen" in der Funktechnik!)

Die blau empfundenen Wellenpakete überwiegen.

Irgendein Farbmittel hat die längerwelligen Spektralbereiche zum größten Teil absorbiert oder subtrahiert. Im verbleibenden Rest überwiegen die blauen Anteile. Tatsächlich wurde diese "Remissions-Kurve" (wie die Farbmetriker sagen) an einer blauen Probe gemessen. Die nicht blauen Anteile - Grün, Gelb, Rot - bewirken allerdings eine gewisse "Verweißlichung" dieses Blau, weil es mit "falschen" - nicht zum Blau gehörigen Lichtanteilen "verschmuddelt" wurde.

Diese "Kurve" wurde wohl an einen Rot gemessen?

Die nicht absorbierten Wellenanteile rufen die Empfindung "Rot" hervor.

Hier handelt es sich ganz klar um "Grün"!

Eine grüne Empfindung, weil Blau und Rot fehlen. Die flankierenden blauen Stummel links und roten Stummel rechts tragen wieder zu einer "Verweißlichung" oder Minderung der Sättigung bei.

Nun wird es schwierig!

Das Spektrum enthält ein "Paket", das grün und ein anderes, das rot empfunden wird. Welche Mischempfindung resultiert heraus?

Was macht unser Wahrnehmungsapparat mit dieser Information ROT + GRÜN , mit dieser additiven Mischung aus Rot und Grün also?

Aus Rot und Grün wird doch Braun!
Oder?
Sagen Sie nicht, das kenne ich doch! Wenn ich mit meinem Wasserfarbenkasten Rot und Grün mische, entsteht Braun. Das stimmt zwar.. aber da haben Sie ja etwas ganz anderes getan! Sie haben Farbmittel gemischt und nicht Farben!
Das Grün ist ja deswegen grün, weil ihm Blau und Rot fehlen. Das Rot ist deswegen rot, weil ihm Blau und Grün fehlen.
Was bleibt, wenn ich dem Spektrum alles entziehe, den Blaubereich, den Grünbereich und den Rotbereich?
Man hat Glück, wenn überhaupt ein kleiner Rest an Farbreiz übrigbleibt, ein mehr oder weniger dunkles Braun!

Farbmittelmischung ist immer subtraktiv.
Farben - im oben definierten "sauberen Sinn" - kann man nicht subtraktiv mischen! Gemeint ist immer "Farbmittelmischung".
Auch wenn man farbige Filter hintereinander schaltet oder farbige Schichten aufeinander druckt, ist das im Prinzip der gleiche Vorgang. Es spielt keine Rolle, ob die Farbmittelmoleküle hintereinander angeordnet sind oder ob sie wild durcheinander liegen, sie absorbieren (subtrahieren) ihre spezifischen Lichtwellen aus dem Spektrum.
Beim "Addieren" (mischen) von Farbmitteln addieren sich deren subtraktive Wirkungen, ihre Absorptionen. Was von einem Objekt remittiert wird, ist aber etwas positives, ist positive Lichtenergie, die im Auge additiv als Reiz wirkt.
Wenn auf der Bühne im Theater der rote und der grüne Scheinwerfer sich überlappen, nehmen sie sich gegenseitig nichts weg sondern verstärken den energetischen Reiz zu "Gelb"!
So, nun ist das Rätsel gelöst!
Schauen Sie sich die gelbe Säule oben oder das Wort "Gelb"mit einer guten Lupe an. Sie werden sehen, dass da grüne und rote Punkte leuchten, die zusammen das Auge zum Eindruck Gelb stimulieren.

FAZIT

Die Verwirrung um die Begriffe additive und subtraktive Farbmischung hängt mit der Eigenart der deutschen Sprache zusammen, dass nämlich für das färbende Mittel und für den bewirkten Farbeindruck ein und derselbe Ausdruck "Farbe" verwendet wird.
Es gibt nur Farbmittelmischung und die ist in der Wirkung subtraktiv (wenn man unbedingt den Ausdruck verwenden will, "absorptiv" wäre besser!) und die additive Wirkung von Farbreizen im Auge, die additive Farbmischung, wenn man unbedingt davon reden will oder muss, denn sie umgibt uns wie die Luft zum Atmen, sie ist das Wesen der Farbe! 

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